4. Gutachtenskandal: "Bisherige Forschung zu ausgewogen?"
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#4
Das Bundesgesundheitsministerium hat unter Ausschluß der
Öffentlichkeit eine Studie zu Cannabis an einen in der Fachwelt
umstrittenen Mediziner in Auftrag gegeben, wahrscheinlich, weil
vorliegende seriöse Studien zum Thema keine Fortsetzung der
bestehenden Verbotspolitik untermauern. Der Deutsche Hanf Verband,
der den Vorgang ans Licht brachte, schreibt dazu in seiner
Pressemitteilung:
----
Forschungsskandal bei Cannabis – Gesundheitsministerium bestellt
unseriöses Gutachten / Empörung bei Wissenschaftlern
Das Bundesgesundheitsministerium hat ein Gutachten in Auftrag
gegeben, das den aktuellen Forschungsstand bei Cannabis
zusammenfassen soll. Ausgerechnet Professor Thomasius vom
Universitätsklinikum Eppendorf hat diesen Auftrag ohne Ausschreibung
erhalten.
Thomasius ist zwar ein anerkannter und erfahrener Drogentherapeut,
seine wissenschaftliche Qualifikation ist aber nach einhelliger
Meinung fast aller Experten nicht ansatzweise gegeben.
Dazu Professor Quensel:
"Schon die von Thomasius herausgegebene und betreute Ecstasy-Studie
wies vor allem in dem von ihm betreuten Teilgebiet erhebliche
methodische Mängel auf. Eigene Forschungsarbeiten auf dem Cannabis-
Gebiet liegen zumindest in publizierter Form nicht vor. Es existiert
lediglich ein Übersichtsartikel in der Zeitschrift Blutalkohol, den
Thomasius mit mehreren anderen Autoren zusammen verfasst hat. Es
fällt auf, dass er mehrfach höchst überzogene und kaum zutreffende
Aussagen zum Cannabis abgibt, bei denen er seine Praxiserfahrungen in
einer wissenschaftlich unmöglichen Weise verallgemeinert. Im
Vergleich zu den Verfassern der bisherigen Expertisen im In- und vor
allem im Ausland (zuletzt: Ministry of Public Health of
Belgium:Cannabis Report August 2002) wirkt Thomasius kaum als
besonders qualifiziert."
Professor Böllinger:
"Mit den Cannabisstudien von Kleiber/Kovar und anderen Arbeiten, z.B.
von Kleiber/Söllner liegen hervorragende Studien vor. Grundsätzlichen
Bedarf für neuere Untersuchungen des Forschungsstandes sehe ich
nicht. Lediglich eine Aktualisierung in Bezug auf jüngere
Forschungsberichte wären sinnvoll. Dafür gäbe es neben Professor
Kleiber noch eine Vielzahl anderer Wissenschaftler, die dafür
wesentlich geeigneter wären als Thomasius."
Dr. med. Franjo Grotenhermen:
"Professor Thomasius wirbt durch eine Skandalisierung der Thematik
auch erfolgreich um Geldmittel. Wie sich erneut bewahrheitet, stellt
die mediale Dramatisierung in der heutigen Zeit durchaus ein
Erfolgsmodell dar. Das ändert aber nichts daran, dass Professor
Thomasius aus wissenschaftlicher Sicht regelmäßig vor allem seine
Inkompetenz demonstriert. Ich bin wenig überrascht, dass die Politik,
bei der Klappern ebenfalls zum Geschäft gehört, so prompt darauf
hereinfällt. Bestürzend ist es dennoch. Ich hätte mir von der Politik
mehr Sorgfalt bei der Vergabe von Forschungsgeldern erhofft."
Georg Wurth, Deutscher Hanf Verband:
"Der Verdacht liegt nahe, dass die bisherige Forschung in den Augen
der Gesundheitsministerin zu ausgewogen war. Die Ergebnisse passen
nicht zur dramatisierenden Rhetorik der Bundesregierung. Das
Gesundheitsministerium hat die Kleiber/Kovar- Studie selbst in
Auftrag gegeben, dann aber tief in der Schublade versenkt. Jetzt will
die Ministerin anscheinend sicher gehen, dass Cannabis in möglichst
negatives Licht gerückt wird. Dafür steht Thomasius."
Professor Thomasius ist in den letzten Jahren zum medizinischen
Vertreter der Hysterisierung in der Drogendebatte aufgestiegen. Es
gibt kaum einen Artikel, der sich dramatisierend mit Cannabis
auseinandersetzt, in dem er nicht vorkommt. Als Leiter einer
psychiatrischen Anstalt für drogenkonsumierende Jugendliche ist es
kein Wunder, dass sein Blick auf das schwierigste Klientel verengt
ist und das Gros` der unproblematischen Cannabiskonsumenten für ihn
höchstens eine sehr abstrakte Angelegenheit bleibt. Thomasius selbst
betont immer wieder seinen voreingenommenen Standpunkt, siehe z.B.:
Welt am Sonntag, 28.8.2005
http://www.wams.de/data/2005/08/28/766544.html
Haschpillen gegen Migräne
Forscher entdecken gute Seiten an Cannabis
... Psychiatrieprofessor Rainer Thomasius, Leiter der Drogenambulanz
am Hamburger Universitätsklinikum, sorgt sich, daß durch positive
Meldungen über Cannabis und andere Rauschmittel diese erst richtig
hoffähig gemacht, ihre gefährlichen Wirkungen weiter bagatellisiert
werden könnten.
Vor diesem Hintergrund ist klar, dass sich Thomasius den aktuellen
internationalen Forschungsergebnissen nicht mit der gebotenen
wissenschaftlichen Neutralität nähern wird.
Gerade vor diesem Hintergrund wertet der Deutsche Hanf Verband die
Vergabe als skandalös. Es hat für den Forschungsauftrag keine
Ausschreibung gegeben, Thomasius bekam direkt den Zuschlag. Es gibt
über die Vergabe keinerlei öffentliche Informationen. Erst Gerüchte
und konkrete Nachfrage des DHV im Gesundheitsministerium brachten den
Vorgang ans Licht. Über die Kosten, die diese Studie verursachen
wird, gibt das Ministerium keine Auskunft.
Georg Wurth, Deutscher Hanf Verband:
"Ich fordere den Bundesrechnungshof auf, sich mit der Auftragsvergabe
an Professor Thomasius zu befassen. Hier wurde ohne Ausschreibung ein
Forschungsauftrag an einen wenig neutralen, unerfahrenen und
unqualifizierten Praktiker vergeben. Damit ist die Vergabe nicht nur
inhaltlich, sondern auch haushaltsrechtlich höchst fragwürdig."
Der Auftrag wurde noch vor der Bundestagswahl vergeben. Allerdings
distanziert sich die grüne Bundestagsfraktion von dem Vorgang: "Die
grüne Bundestagsfraktion wurde von Seiten des BMGS nicht an der
Vergabe der Expertise an Prof. Thomasius beteiligt. Hierzu ist die
Exekutive auch nicht verpflichtet. Dem Gesundheitsministerium war
jedoch bekannt, dass die grüne Bundestagsfraktion die Vergabe dieser
Expertise an Prof. Thomasius kritisch beurteilt. Inhaltlich ist uns
weiterhin nicht nachvollziehbar, warum eine derartige Studie
überhaupt (losgelöst von der Person des Antragstellers) notwendig
sein sollte, da der aktuelle Wissensstand dokumentiert ist."
Biggi Bender, MdB
Es handelt sich also um einen nicht nachvollziehbaren Alleingang des
Gesundheitsministeriums bzw. der ehemaligen Bundesdrogenbeauftragten
Marion Caspers-Merk.
----
(Deutscher Hanf Verband, 25.11.2005)
http://www.hanfverband.de
Deutscher Hanf Verband - Homepage
http://www.hanfverband.de
================
-------- Original-Nachricht --------
Betreff: [cannabislegalnews] CLN#180: CH, Bätzing, Verkehr, Thomasius,
Medizin
Datum: Wed, 28 Dec 2005 07:50:01 -0000
Von: cannabislegal <joewein@pobox.com>
Antwort an: cannabislegalnews-owner@yahoogroups.de
An: cannabislegalnews@yahoogroups.de
CannabisLegalNews (Nummer 180, 28.12.2005)
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm
http://www.cannabislegal.de/cln/ (Übersicht!)
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"Steter Tropfen höhlt den Stein"
Kontakt: http://www.cannabislegal.de/kontakt.htm
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================
INHALT
1. Schweiz: Unterschriften werden am 13.01. eingereicht
2. Neue Drogenbeauftragte gegen Legalisierung
3. Cannabisnachweis allein keine Ordnungswidrigkeit
4. Gutachtenskandal: "Bisherige Forschung zu ausgewogen?"
5. Bundesverwaltungsgericht bestätigt Cannabis als Medizin
6. Niederlande: Abgeordnete wollen Cannabisanbau legalisieren
7. Cannabisreform in Tschechien
8. Großbritannien: Konservativer Parteivorsitzender für Reform
9. Studie zu Cannabinoiden im Gehirn
10. Zwei Urteile
11. Termine zu Cannabis und Drogenpolitik
================
1. Schweiz: Unterschriften werden am 13.01. eingereicht
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#1
Seit Juli 2004 sammelt das "Komitee Pro Jugendschutz gegen
Drogenkriminalität", das von zahlreichen Schweizer Bundespolitikern
und Personen des öffentlichen Lebens unterstützt wird,
Unterschriften für eine Iniative zur Reform des Schweizer
Betäubungsmittelgesetzes. Zuvor war eine Reforminitiative des
Bundesrats (der Schweizer Bundesregierung) im Nationalrat (der
grossen Kammer des Bundesparlaments) gescheitert. Für die Einleitung
eines Volksentscheids sind mindestens 100.000 gültige Wählerstimmen
nötig. Das Komitee hat sicherheitshalber 135.000 Unterschriften
gesammelt, von denen 105.000 gültig sein sollen. Diese werden am 13.
Januar in der Schweizer Bundeshauptstadt Bern eingereicht.
----
Am 13. Januar reichen wir die Hanfinitiative ein!
105'000 gültige Unterschriften liegen im Bescheinigungsbüro zur
Abgabe an die Bundeskanzlei bereit. Weitere 2000-3000 Unterschriften
sind von den Gemeinden noch nicht zurückgekehrt. Wir möchten sicher
gehen, dass möglichst alle Unterschriften eingereicht werden, und
setzen deshalb den Einreichungstermin auf den 13. Januar 2006 an. Um
10.30 Uhr fährt ein hanfölbetriebener Traktor mit den
Unterschriftenbögen beladen auf die Bundesterrasse, dazu gibt es
Hanfglühwein.
Wir freuen uns sehr, wenn dieses Hanfgefährt von zahlreichen
HanffreundInnen begleitet wird, und laden euch herzlich ein, am 13.
Januar in Bern mit uns die Abgabe zu feiern.
Treffpunkt: 10.30 Uhr, Bundesterrasse Bern
Anschliessend: Apéro und Party (go to: Fourtwenty, Kramgasse 3, 3011
Bern)
Fragen: Ben (ben@projugendschutz.ch, 078'743'37'09) oder Mosi
(mosi@fourtwenty.ch, 079'702'83'78)
Danke an alle Helfer und Spender - ohne Euch wäre diese Initiative
nämlich nicht zustande gekommen!
Wir wünschen euch allen schöne Festtage und einen guten Rutsch ins
neue Jahr!
Freundliche Grüsse,
Ben Arn
Komitee Pro Jugendschutz gegen Drogenkriminalität
www.projugendschutz.ch
----
(projugendschutz.ch, 24.12.2005)
http://www.projugendschutz.ch
Falls genug gültige Unterschriften vorliegen, wäre mit einer
Abstimmung in etwa zwei Jahren zu rechnen. Im Falle einer
Stimmenmehrheit würde die Bundesverfassung wie folgt geändert:
----
Art. 105a (neu) Hanf
1. Der Konsum psychoaktiver Substanzen der Hanfpflanze sowie ihr
Besitz und Erwerb für den Eigenbedarf sind straffrei.
2. Der Anbau von psychoaktivem Hanf für den Eigenbedarf ist straffrei.
3. Der Bund erlässt Vorschriften über Anbau, Herstellung, Ein- und
Ausfuhr von sowie Handel mit psychoaktiven Substanzen der Hanfpflanze.
4. Der Bund stellt durch geeignete Massnahmen sicher, dass dem
Jugendschutz angemessen Rechnung getragen wird. Werbung für
psychoaktive Substanzen der Hanfpflanze sowie Werbung für den Umgang
mit diesen Substanzen sind verboten.
----
(PJgD: Initiativtext)
http://www.projugendschutz.ch/initiativtextd.php
Komitee Pro Jugendschutz gegen Drogenkriminalität
http://www.projugendschutz.ch
Cannabis in der Schweiz
http://www.cannabislegal.de/international/ch.htm
================
2. Neue Drogenbeauftragte gegen Legalisierung
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#2
Sabine Bätzing (SPD), die Nachfolgerin von Marion Caspers-Merk im Amt
der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, will die Linie ihrer
Vorgängerin fortsetzen.
----
Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD),
schließt eine Legalisierung von Cannabis kategorisch aus. Derartige
Forderungen seien "nicht akzeptabel", sagte Bätzing der
Nachrichtenagentur ddp. Das Problem des vor allem unter Jugendlichen
deutlich gestiegenen Cannabiskonsums zähle zu den "drängendsten
Aufgaben der Drogenpolitik", betonte die 30-jährige SPD-Politikerin.
Laut dem jüngsten "Bundeslagebild Rauschgift" des Bundeskriminalamtes
war im vergangenen Jahr jeder zweite tatverdächtige Cannabis-
Konsument jünger als 21 Jahre. Insgesamt stieg die Zahl der
Konsumdelikte mit Cannabis um 20 Prozent.
----
(Märkische Oderzeitung, 25.12.2005)
http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Nachrichten/id/94365
Neue Drogenbeauftragte gegen Legalisierung von Cannabis [Märkische
Oderzeitung, 25.12.2005]
http://www.moz.de/index.php/Moz/Article/category/Nachrichten/id/94365
Nichtrauchen soll Normalfall werden [AZ-Bad Kreuznach , 20.12.2005]
http://www.az-badkreuznach.de/politik/objekt.php3?artikel_id=2187088
SPD und Cannabis
http://www.cannabislegal.de/politik/spd.htm
Homepage von Sabine Bätzing (SPD)
http://www.sabine-baetzing.de/
================
3. Cannabisnachweis allein keine Ordnungswidrigkeit
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#3
Das Oberlandgericht Koblenz hat entscheiden, dass der Nachweis des
Cannabiswirkstoffs THC im Blut nicht in jedem Fall dazu ausreicht, um
einen Fahrer wegen Führung eines Kfz unter Wirkung eines
Rauschmittels zu verurteilen:
----
Zwar sei laut Gesetz das Führen eines Fahrzeugs unter Drogeneinfluss
strafbar, sobald die Substanz im Blut festgestellt werde. Da
inzwischen aber schon geringste Mengen nachweisbar seien, müsse
ausdrücklich festgestellt werden, dass die Fahrtüchtigkeit des
Betroffenen beeinflusst gewesen sei (Az.: 1 Ss 189/05).
----
(sueddeutsche.de, 14.12.2005)
http://www.sueddeutsche.de/automobil/ticker/iptc-zin-20051214-3-
dpa_10484946/
Bereits vor einem Jahr (21.12.2004, Aktenzeichen 1 BvR 2652/03)
entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der Nachweis von THC-
Spuren unterhalb einer Dosierung von 1,0 Nanogramm THC je Milliliter
keine Rauschwirkung belege und eine Verurteilung damit gegen das
Verhältnismäßigkeitsgebot des Grundgesetzes verstoße. Aufgrund des
technischen Fortschrittes könne THC noch Tage nach dem Konsum
festgestellt werden. Es hob damals eine Verurteilung eines Fahrers
auf, der 16 Stunden nach dem Konsum angehalten und untersucht worden
war.
Die Wirkung von Cannabis klingt nach dem Rauchen normalerweise
innerhalb 1 bis 4 Stunden wieder ab. Der Gesetzgeber hat anders als
bei Alkohol bei anderen Drogen keinen Grenzwert festgelegt, unter dem
von keiner Drogenwirkung mehr ausgegangen wird.
OLG: Fahrt nach Drogenkonsum ist nicht zwangsläufig strafbar
[sueddeutsche.de, 14.12.2005]
http://www.sueddeutsche.de/automobil/ticker/iptc-zin-20051214-3-
dpa_10484946/
Bundesverfassungsgericht hebt Null-Promillegrenze bei THC auf [
[CLN#176, 15.01.2005]]
http://www.cannabislegal.de/cln/cln176.htm#1
VfD und DHV fordern wissenschaftlich fundierte Grenzwerte [CLN#176,
15.01.2005]
http://www.cannabislegal.de/cln/cln176.htm#2
Cannabis und Führerschein
http://www.cannabislegal.de/recht/fs.htm
================
4. Gutachtenskandal: "Bisherige Forschung zu ausgewogen?"
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#4
Das Bundesgesundheitsministerium hat unter Ausschluß der
Öffentlichkeit eine Studie zu Cannabis an einen in der Fachwelt
umstrittenen Mediziner in Auftrag gegeben, wahrscheinlich, weil
vorliegende seriöse Studien zum Thema keine Fortsetzung der
bestehenden Verbotspolitik untermauern. Der Deutsche Hanf Verband,
der den Vorgang ans Licht brachte, schreibt dazu in seiner
Pressemitteilung:
----
Forschungsskandal bei Cannabis – Gesundheitsministerium bestellt
unseriöses Gutachten / Empörung bei Wissenschaftlern
Das Bundesgesundheitsministerium hat ein Gutachten in Auftrag
gegeben, das den aktuellen Forschungsstand bei Cannabis
zusammenfassen soll. Ausgerechnet Professor Thomasius vom
Universitätsklinikum Eppendorf hat diesen Auftrag ohne Ausschreibung
erhalten.
Thomasius ist zwar ein anerkannter und erfahrener Drogentherapeut,
seine wissenschaftliche Qualifikation ist aber nach einhelliger
Meinung fast aller Experten nicht ansatzweise gegeben.
Dazu Professor Quensel:
"Schon die von Thomasius herausgegebene und betreute Ecstasy-Studie
wies vor allem in dem von ihm betreuten Teilgebiet erhebliche
methodische Mängel auf. Eigene Forschungsarbeiten auf dem Cannabis-
Gebiet liegen zumindest in publizierter Form nicht vor. Es existiert
lediglich ein Übersichtsartikel in der Zeitschrift Blutalkohol, den
Thomasius mit mehreren anderen Autoren zusammen verfasst hat. Es
fällt auf, dass er mehrfach höchst überzogene und kaum zutreffende
Aussagen zum Cannabis abgibt, bei denen er seine Praxiserfahrungen in
einer wissenschaftlich unmöglichen Weise verallgemeinert. Im
Vergleich zu den Verfassern der bisherigen Expertisen im In- und vor
allem im Ausland (zuletzt: Ministry of Public Health of
Belgium:Cannabis Report August 2002) wirkt Thomasius kaum als
besonders qualifiziert."
Professor Böllinger:
"Mit den Cannabisstudien von Kleiber/Kovar und anderen Arbeiten, z.B.
von Kleiber/Söllner liegen hervorragende Studien vor. Grundsätzlichen
Bedarf für neuere Untersuchungen des Forschungsstandes sehe ich
nicht. Lediglich eine Aktualisierung in Bezug auf jüngere
Forschungsberichte wären sinnvoll. Dafür gäbe es neben Professor
Kleiber noch eine Vielzahl anderer Wissenschaftler, die dafür
wesentlich geeigneter wären als Thomasius."
Dr. med. Franjo Grotenhermen:
"Professor Thomasius wirbt durch eine Skandalisierung der Thematik
auch erfolgreich um Geldmittel. Wie sich erneut bewahrheitet, stellt
die mediale Dramatisierung in der heutigen Zeit durchaus ein
Erfolgsmodell dar. Das ändert aber nichts daran, dass Professor
Thomasius aus wissenschaftlicher Sicht regelmäßig vor allem seine
Inkompetenz demonstriert. Ich bin wenig überrascht, dass die Politik,
bei der Klappern ebenfalls zum Geschäft gehört, so prompt darauf
hereinfällt. Bestürzend ist es dennoch. Ich hätte mir von der Politik
mehr Sorgfalt bei der Vergabe von Forschungsgeldern erhofft."
Georg Wurth, Deutscher Hanf Verband:
"Der Verdacht liegt nahe, dass die bisherige Forschung in den Augen
der Gesundheitsministerin zu ausgewogen war. Die Ergebnisse passen
nicht zur dramatisierenden Rhetorik der Bundesregierung. Das
Gesundheitsministerium hat die Kleiber/Kovar- Studie selbst in
Auftrag gegeben, dann aber tief in der Schublade versenkt. Jetzt will
die Ministerin anscheinend sicher gehen, dass Cannabis in möglichst
negatives Licht gerückt wird. Dafür steht Thomasius."
Professor Thomasius ist in den letzten Jahren zum medizinischen
Vertreter der Hysterisierung in der Drogendebatte aufgestiegen. Es
gibt kaum einen Artikel, der sich dramatisierend mit Cannabis
auseinandersetzt, in dem er nicht vorkommt. Als Leiter einer
psychiatrischen Anstalt für drogenkonsumierende Jugendliche ist es
kein Wunder, dass sein Blick auf das schwierigste Klientel verengt
ist und das Gros` der unproblematischen Cannabiskonsumenten für ihn
höchstens eine sehr abstrakte Angelegenheit bleibt. Thomasius selbst
betont immer wieder seinen voreingenommenen Standpunkt, siehe z.B.:
Welt am Sonntag, 28.8.2005
http://www.wams.de/data/2005/08/28/766544.html
Haschpillen gegen Migräne
Forscher entdecken gute Seiten an Cannabis
... Psychiatrieprofessor Rainer Thomasius, Leiter der Drogenambulanz
am Hamburger Universitätsklinikum, sorgt sich, daß durch positive
Meldungen über Cannabis und andere Rauschmittel diese erst richtig
hoffähig gemacht, ihre gefährlichen Wirkungen weiter bagatellisiert
werden könnten.
Vor diesem Hintergrund ist klar, dass sich Thomasius den aktuellen
internationalen Forschungsergebnissen nicht mit der gebotenen
wissenschaftlichen Neutralität nähern wird.
Gerade vor diesem Hintergrund wertet der Deutsche Hanf Verband die
Vergabe als skandalös. Es hat für den Forschungsauftrag keine
Ausschreibung gegeben, Thomasius bekam direkt den Zuschlag. Es gibt
über die Vergabe keinerlei öffentliche Informationen. Erst Gerüchte
und konkrete Nachfrage des DHV im Gesundheitsministerium brachten den
Vorgang ans Licht. Über die Kosten, die diese Studie verursachen
wird, gibt das Ministerium keine Auskunft.
Georg Wurth, Deutscher Hanf Verband:
"Ich fordere den Bundesrechnungshof auf, sich mit der Auftragsvergabe
an Professor Thomasius zu befassen. Hier wurde ohne Ausschreibung ein
Forschungsauftrag an einen wenig neutralen, unerfahrenen und
unqualifizierten Praktiker vergeben. Damit ist die Vergabe nicht nur
inhaltlich, sondern auch haushaltsrechtlich höchst fragwürdig."
Der Auftrag wurde noch vor der Bundestagswahl vergeben. Allerdings
distanziert sich die grüne Bundestagsfraktion von dem Vorgang: "Die
grüne Bundestagsfraktion wurde von Seiten des BMGS nicht an der
Vergabe der Expertise an Prof. Thomasius beteiligt. Hierzu ist die
Exekutive auch nicht verpflichtet. Dem Gesundheitsministerium war
jedoch bekannt, dass die grüne Bundestagsfraktion die Vergabe dieser
Expertise an Prof. Thomasius kritisch beurteilt. Inhaltlich ist uns
weiterhin nicht nachvollziehbar, warum eine derartige Studie
überhaupt (losgelöst von der Person des Antragstellers) notwendig
sein sollte, da der aktuelle Wissensstand dokumentiert ist."
Biggi Bender, MdB
Es handelt sich also um einen nicht nachvollziehbaren Alleingang des
Gesundheitsministeriums bzw. der ehemaligen Bundesdrogenbeauftragten
Marion Caspers-Merk.
----
(Deutscher Hanf Verband, 25.11.2005)
http://www.hanfverband.de
Deutscher Hanf Verband - Homepage
http://www.hanfverband.de
================
5. Bundesverwaltungsgericht bestätigt Cannabis als Medizin
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#5
In einer jetzt veröffentlichten Entscheidung vom 19.05.2005 hat das
Bundesverwaltungsgericht einem Patienten Recht gegeben, der gegen das
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geklagt
hatte, weil es seinen Antrag auf eine Sondergenehmigung zum Erwerb
von Cannabis zur medizinischen Behandlung abgelehnt hatte. Nun muss
sich das BfArM erneut mit dem Antrag beschäftigen. Die Internationale
Arbeitsgemeinschaft für Cannabis als Medizin (IACM) rechnet mit einer
Flut von Anträgen von Patienten.
IACM Pressemitteilung [15.11.2005]
http://www.cannabis-med.org/german/Presse_2005_11.pdf
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts [19.05.2005]
http://www.cannabis-med.org/german/BVerwG.pdf
Cannabis als Medizin
http://www.cannabislegal.de/cannabisinfo/medizin.htm
================
6. Niederlande: Abgeordnete wollen Cannabisanbau legalisieren
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#6
Wie der "Spiegel" meldet, wollen Abgeordnete von Fraktionen, die eine
breite Mehrheit des niederländischen Parlaments vertreten, den Anbau
von Cannabis für die staatlich geduldeten Coffeeshops legalisieren.
Seit 1976 wird der Besitz, Erwerb und Verkauf geringer Mengen
Cannabis geduldet, während der Anbau weiterhin strafrechtlich
verfolgt wird.
----
Die Befürworter der Initiative wollen durch die Kontrolle des Marktes
den Drogenschmuggel eindämmen. Denn die Herkunft der Drogen könnte so
zurückverfolgt werden. Außerdem wäre die Legalisierung und
Besteuerung einer ganzen Industrie möglich, deren Umsatz in den
Niederlanden auf 600 Millionen Euro geschätzt wird.
----
(Spiegel, 02.12.2005)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,388154,00.html
Bisher bleiben die Gewinne der Anbauer komplett unversteuert. Der
Anbau ist derzeit der bei weitem lukrativste Teil der
Versorgungskette von der Herstellung bis zum Verbraucher.
In den vergangenen Jahren gab es mehrere Vorstöße für eine
Legalisierung aus dem Parlament, von den Gemeinden und aus der
Justiz. Von allen größeren Parteien im Parlament ist nur die
christdemokratische CDA gegen eine Legalisierung.
Parlamentarier wollen Marihuana-Anbau legalisieren [Spiegel,
02.12.2005]
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,388154,00.html
Niederlande: Nur CDA gegen Legalisierung [CLN#107, 25.04.2003]
http://www.cannabislegal.de/cln/cln107.htm#2
Cannabis in den Niederlanden
http://www.cannabislegal.de/international/nl.htm
================
7. Cannabisreform in Tschechien
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#7
Das tschechische Parlament hat eine strafrechtliche Reform
beschlossen, die den Anbau und Besitz geringer Mengen von Cannabis
bzw. Cannabispflanzen straffrei stellt. Auch sogenannte "Zauberpilze"
werden straffrei. Besitz und Anbau größerer Mengen bleiben strafbar,
allerdings mit reduzierten Strafen. Die Regelung bei
sogenannten "harten" Drogen bleibt dagegen unverändert.
Die genauen Mengen stehen noch nicht fest und werden durch euine
Verfügung der Regierung festgelegt, so dass sie ohne
Parlamentsbeschluss angepasst werden können.
Die Reform muss noch vom Senat bestätigt und dann von Präsident Klaus
unterschrieben werden, bevor sie im Jahre 2007 in Kraft treten kann.
Czech Republic will decriminalize cannabis [ENCOD News]
http://action.encod.org/portal/faces/public/exo/news/index
Cannabis in Tschechien
http://www.cannabislegal.de/international/cz.htm
================
8. Großbritannien: Konservativer Parteivorsitzender für Reform
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#8
David Cameron, der frischgewählte neue Parteivorsitzende der
britischen Konservativen war vor drei Jahren Mitglied in einem
Parlamentsausschuss zur britischen Drogenpolitik. Dort stimmte er
u.a. für den folgenden Absatz im Abschlussbericht des Ausschusses,
der eine Diskussion über eine staatliche Regulierung oder
Legalisierung von derzeit illegalen Drogen als mögliche Alternative
zur Drogenprohibition empfahl:
----
We recommend that the Government initiates a discussion within the
Commission on Narcotic Drugs of alternative ways—including the
possibility of legalisation and regulation—to tackle the global drugs
dilemma.
----
(09.05.2002)
THE GOVERNMENT'S DRUGS POLICY: IS IT WORKING? [09.05.2002]
http://www.parliament.the-stationery-
office.co.uk/pa/cm200102/cmselect/cmhaff/318/31813.htm
Konservative Politik und Cannabisreform
http://www.cannabislegal.de/politik/konservative.htm
Cannabis in Großbritannien
http://www.cannabislegal.de/international/uk.htm
================
9. Studie zu Cannabinoiden im Gehirn
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#9
Eine Studie kanadischer Wissenschaftler fand, dass ein synthetisches
Cannabinoid, das auf den gleichen Rezeptor wirkt wie der
Cannabishauptwirkstoff THC das Wachstum von Gehirnzellen ankurbelt.
Wissenschaftler der University of Saskatchewan verabreichten Mäusen
den Wirkstoff HU210, der etwa 100mal stärker wirkt als THC. Der
Hippocampus ist eine Gehirnregion die mit dem Erinnerungsvermögen und
der Lernfähigkeit und auch mit Angst, und Depression in Verbindung
gebracht wird. Die Wissenschaftler fanden dort eine Steigerung des
Zellwachstums um 40% durch HU210. Andere Drogen, wie z.B. Alkohol,
Heroin und Kokain haben dagegen einen negativen Einfluss auf das
Zellwachstum im Hippocampus.
Noch ist unklar, wie übertragbar die Studienergebnisse auf Menschen
und Cannabis sind. "Chronischer Gebrauch von Cannabis könnte
tatsächlich das Lerngedächtnis verbessern, wenn die neuen
Nervenzellen im Hippocampus in zwei oder drei Monaten reifen können,
vermutete jedoch Dr. Xia Zhang ("Chronic use of marijuana may
actually improve learning memory when the new neurons in the
hippocampus can mature in two or three months.")
Cannabinoid lässt graue Zellen wachsen [Spiegel, 15.10.2005]
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,379811,00.html
Study turns pot wisdom on head [Globa and Mail (CA), 14.10.2005]
http://www.theglobeandmail.com/servlet/story/RTGAM.20051014.wxcanna101
4/BNStory/specialScienceandHealth/
================
10. Zwei Urteile
http://www.cannabislegal.de/cln/cln180.htm#10
Ein 26-Jähriger, der vor einem Jahr einen tödlichen Verkehrsunfall
mit rund 40 Millionen Euro Sachschaden verursachte, wurde am 14.09.
zu 22 Monaten Haft verurteilt. Er stand zum Tatzeitpunkt unter
Cannabiseinfluss. Der Fahrer war bei Regen ohne Führerschein mit
abgefahrenen Reifen und überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Dabei
rammte er auf einer Autobahnbrücke einen Tanklastzug, der in den
Abgrund stürzte und ausbrannte.
Mehr als doppelt so lange hinter Gitter muss ein 44-Jähriger wegen
Gartenbaus. Er hatte in einer Lagerhalle unter Kunstlicht Cannabis
angebaut. Den Anbau hatte er in seiner Jugend von seinem Großvater
gelernt. Vier Jahre Haft verursachen den Steuerzahlern über 140.000
Euro an Haftkosten, obwohl Cannabis weniger schädlich ist als
Alkohol, der legal gebraut werden darf.
Wer unter dem Einfluß von Drogen (ob Alkohol oder anderen
beinträchtigenden Substanzen) oder einfach aus Rücksichtslosigkeit
andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder schädigt, der verdient
Strafe. Daran soll sich nichts ändern. Wer dagegen Cannabis zu Hause
konsumiert, ohne sich ans Steuer zu setzen, gefährdet keinen anderen
Menschen. Der Gärtner, der für ihn Hanf anbaut, zwingt ihn
genausowenig zum Konsum wie ein Braumeister oder Winzer. Warum wird
der Gärtner trotzdem bestraft?
Wenn der Staat die Herstellung eines Genußmittels für strafwürdiger
einstuft als die rücksichtslose Tötung eines Menschen, stimmen die
Massstäbe nicht mehr. Das Betäubungsmittelgesetz gehört reformiert.
Unfallverursacher zu 22 Monaten Haft verurteilt [FR, 15.09.2005]
http://www.fr-
aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/aus_aller_welt/?cnt=726369
Vier Jahre Haft für Cannabis-Farmer [Express, 15.09.2005]
http://www.express.de/servlet/Satellite?
pagename=XP/index&pageid=1006361736967&rubrik=269&artikelid=1124699524
710
================
11. Termine zu Cannabis und Drogenpolitik:
13.01.2006 Bern (CH): Einreichung der Hanfinitiative-Unterschriften
24.-26.03.2006 Bern (CH): Cannabusiness
17.-21.05.2006 Ceske Budehovice (CZ): Kono-Business
05.08.2006 Berlin: Hanfparade
Unsere Ankündigungen sowie Links finden Sie bei unseren Terminen:
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Wissen Sie von Veranstaltungen? Schreiben Sie uns!
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Mit freundlichen Grüßen
Joe Wein
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