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11. Oktober 2008 09:50
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07.08.2008 20:51

Milzbrand-Attentäter vom FBI identifiziert

2001 waren Briefe mit giftigem Pulver an US-Medien und Politiker verschickt worden. Fünf Menschen starben. Jetzt hat die US-Justiz den Fall geklärt: Ein Forscher versandte die tödliche Post.
   Foto: APA
Auf allen Kontinenten wurde ermittelt, nun hat die US-Justiz einen ihrer spektakulärsten Kriminalfälle in diesem Jahrzehnt geklärt zu den Akten gelegt: Mit einer Indizienkette und einer Beweisführung im Ausschlussverfahren wurde der Militärwissenschaftler Bruce Ivins zum Urheber der Milzbrandattacken erklärt, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA Angst und Schrecken verbreiteten und fünf Menschen das Leben kosteten.

Suizid. "Wir glauben, wir hätten seine Schuld vor Gericht nachweisen können", sagte der Washingtoner Staatsanwalt Jeffrey Taylor. Dazu wird es nicht mehr kommen: Der 62-jährige Ivins nahm sich vergangene Woche das Leben - bevor die Staatsanwaltschaft offizielle Anklage gegen ihn erheben wollte.

Gekränkt. Der Wissenschaftler arbeitete in einem Labor des US-Heeres in Fort Detrick im US-Staat Maryland an Gegenmitteln gegen biologische Waffen, vor allem gegen Milzbrand (auch "Anthrax" genannt). Die Ermittler sagen, Ivins sei von Kritik an einem von ihm entwickelten Milzbrandimpfstoff gekränkt gewesen und habe daraufhin Erreger aus seinem Labor per Post verschickt, um Unterstützung für seine Milzbrand-Forschung zu bekommen - sozusagen wie ein Feuerwehrmann, der Feuer legt, um eine bessere Ausstattung der Feuerwehr zu erreichen.

Die Beweiskette fügt Indizien in einem klassischen Ausschlussverfahren zusammen, an deren Ende Ivins' Schuld bewiesen sein soll. Untersuchungen haben ergeben, dass die bei den Anschlägen verwendeten Sporen aus einem Bestand stammten, den es nur in Ivins' Labor gab und zu dem nur er Zugang hatte. Um die Ermittler in die Irre zu führen, habe er ihnen Sporen mit einer anderen DNA-Struktur ausgehändigt.

Keine Zeugen. Aber es fehlen auch wichtige Beweise. Die Staatsanwälte können Ivins nicht wirklich mit dem Briefkasten in Princeton, New Jersey in Verbindung bringen, in den die Milzbrand-Briefe eingeworfen wurden. Sie nennen keinen Zeugen, der Ivins dabei beobachtet hat, wie er Milzbranderreger in die Umschläge füllte.

Psychische Probleme. Ivins soll psychische Probleme gehabt haben, sagen die Staatsanwälte. Sie hätten sonderbare E-Mails und Rezepte von Psychiatern gefunden. Zu Beginn der Ermittlungen waren internationale Terroristen und vor allem Al Kaida im Visier der Ermittler. Nach einer Spurensuche in vielen Weltgegenden endeten sie sozusagen im eigenen Hinterhof.

Seltsam. Ivins' Anwalt Paul Kemp überzeugen die Indizienbeweise nicht: "Sie haben einen seltsamen Burschen genommen und ihn des Massenmordes für schuldig befunden," sagte Kemp.
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Milzbrand
Milzbrand-Erreger gelten im Vergleich zu anderen Bio-waffen als besondere Bedrohung: Sie können relativ einfach gezüchtet und ausgebracht werden. Die gefährlichste Form der Krankheit ist der Lungenmilz-brand. Unbehandelt kann eine schwere Lungenentzün-dung mit hohem Fieber und blutigem Husten folgen, bis hin zum Tod.
Hintergrund
Stichwort: Anthrax
Stichwort: Biowaffen
    Foto: AP

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