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Deutschland: „Kaum jemand ist arm“

25.05.2008 | 18:03 |   (Die Presse)

Der Ökonom Hans-Werner Sinn kritisiert den Armutsbericht.

Düsseldorf (AP). Der Armutsbericht der deutschen Bundesregierung bringt den Ökonomen und Chef des renommierten Forschungsinstituts Ifo in München, Hans-Werner Sinn, in Rage. Es stimme einfach nicht, dass jeder achte Deutsche arm sei, erklärte er nun in der „Wirtschaftswoche“. „Kaum jemand, der sich in Deutschland legal aufhält, ist arm“, meint Sinn. Er kritisiert, dass in dem Bericht nicht zwischen Armutsrisiko und tatsächlicher Armut unterschieden wird.

Sinn verweist auf den Umstand, dass Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II bei normalen Wohnkosten ein Einkommen sichere, das bei etwa 55 Prozent des mittleren Einkommens liege. Nach amtlicher Definition seien nur vier Prozent der Bevölkerung arm, sagt er. Laut international üblicher Definition liege die Armutsgrenze bei 520 Euro, erklärt der Wissenschaftler. Somit dürfe man selbst Hartz-IV-Empfänger, die mit 700 Euro pro Monat ihr Auslangen finden müssen, nicht als arm bezeichnen, meint Sinn.

Der Ökonom bemängelt, dass für den Bericht Daten aus dem Jahr 2005 verwendet worden sind. Damit werde ignoriert, dass die jüngste Konjunkturaufschwung allein in Westdeutschland 1,1 Millionen Stellen „über das Maß hinaus gebracht hat, das man nach einer Fortschreibung früherer Konjunkturmuster erwarten konnte“. Diese zusätzlichen Jobs hätten erheblich zum Rückgang der Armutsgefährdung und zur Stabilisierung der Mittelschicht beigetragen.

Sinn spricht auch ein Problem der Hartz IV-Regelung an. Viele Arbeitslose würden sich offiziell als Single deklarieren, um mehr Geld vom Staat zu bekommen. Diese Leute seien nicht armutsgefährdet, sondern oft „Mittelschicht“. Dann nämlich, wenn sie tatsächlich mit einem Partner zusammenleben, der zum Haushaltseinkommen beiträgt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2008)


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6 Kommentare
 
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Von Gast: Umweltfreund am 16.07.2008 um 20:06

Jammern auf hohem Nivau

In der Tat jammern viele Langzeit-AL auf hohem Nivau. In vielen EU-Ländern ist der Vollzeitverdienst geringer als das angeblich so niedrige ALG2 von pro Person 350 EUR plus der Warmmiete. Es wäre besser, die Armutsgrenze EU-weit einheitlich festzulegen, dh auch für Deutschland auf das Durchschnittseinkommen innerhalb der Europäischen Union zu definieren, und das ALG2 enstprechend anzupassen. Wer nicht leistungsfähig und qualifiziert genug ist, um mehr als 5 oder 6 EUR pro Stunde zu erwirtschaften soll sich nicht dauerhaft in ALG2-Subventionen einrichten können.

Antworten Von Lothenon am 19.07.2008 um 14:31

Re: Jammern auf hohem Nivau?

Mitnichten, da wir in Deutschland leben und deutsche und nicht polnische Preise zu zahlen haben.

Achja, und dann zeige doch bitte die vielen Arbeitsplätze, die so entlohnt werden, dass davon vernünftig gelebt werden kann.
Laut Arbeitsagentur gibt es lediglich knapp 500.000 freie Arbeitsplätze bei rund fünf Millionen Arbeitslosen.
Die meisten Arbeitsplätze, die in den letzten Jahren "geschaffen" wurden, sind niedrig und niedrigst bezahlte.

Weiter ist die Aufstiegschance aus diesen Jobs drastisch verschlechtert. Mittlerweile haben wir einen fast genauso großen Niedriglohnsektor wie die USA.

Von Lothenon am 16.07.2008 um 14:53

Professoraler Unsinn

Vielleicht kann Herr Unsinn mal erklären, wie es auf die Zahl 55 Prozent sowie 520 Euro kommt?

Laut Focus.de betrug der jährliche Durchschnittslohn bei etwa 40.000 Euro*. Ich setze dieses gleich dem Bruttolohn. Bei STK I komme ich damit auf etwas mehr als 2400 Euro Netto im Monat. Die Hälfte davon sind 1200 Euro. Bei 40 Prozent des Durchschnittslohns läge ich immer noch bei 960 Euro.

Ah, jetzt verstehe ich seine Manipulation: Er hat die 40 Prozent des Durchschnittslohns (rund 960 Euro, was auch in etwa dem Pfändungsfreibetrag für eine Einzelperson entspricht) als Durchschnittslohn deklariert und nochmals runtergerechnet. 960 geteilt durch 100 mal 55 ergibt etwas mehr als 520 Euro.

* http://www.focus.de/jobs/branchen/arbeitnehmer-mehr-lohn-weniger-kaufkraft_aid_313136.html

Antworten Von Lothenon am 19.07.2008 um 14:36

Re: Professoraler Unsinn

Kleine Korrektur:

Der Durchschnittslohn war im Jahr 2007 etwas geringer, hatte irgendwie die falsche Zahl in Erinnerung. Daher sind letztendlich die Zahlen der Rechnung etwas niedriger.

Von Gast: Wahrheit am 16.07.2008 um 14:22

Professoraler Unsinn

Vielleicht kann Herr Unsinn mal erklären, wie es auf die Zahl 55 Prozent sowie 520 Euro kommt?

Laut Focus.de betrug der jährliche Durchschnittslohn bei etwa 40.000 Euro*. Ich setze dieses gleich dem Bruttolohn. Bei STK I komme ich damit auf etwas mehr als 2400 Euro Netto im Monat. Die Hälfte davon sind 1200 Euro. Bei 40 Prozent des Durchschnittslohns läge ich immer noch bei 960 Euro.

Ah, jetzt verstehe ich seine Manipulation: Er hat wahrscheinlich die 40 Prozent des Durchschnittslohns (rund 960 Euro, was auch in etwa dem Pfändungsfreibetrag für eine Einzelperson entspricht) als normalen Durchschnittslohn deklariert und nochmals runtergerechnet. 960 geteilt durch 100 mal 55 ergibt etwas mehr als 520 Euro.

* http://www.focus.de/jobs/branchen/arbeitnehmer-mehr-lohn-weniger-kaufkraft_aid_313136.html

Von Gast: mondfrau47 am 16.07.2008 um 12:53

jawoll herr sinn

wir sind nicht arm denn wir 4 pers. zwei davon kinder
leben ja mit 1200 euro incl kindergeld netto im monat saugut
wir brauchen ja auch keine 4 zimmer wohnung die bereits wenn man ne gescheite will 600 euro warm kostet
wir können uns ja genauso gut eine 3 zimmer wohnung leisten denn eltern brauchen ja kein eigenes schlafzimmer
oder noch besser ne 2 zimmerwohnung bruder12 und schwester16 können ja zusammen in einem zimmer wohnen
und das essen das wurde uns ja schon von herrn sarrazin vorgerechnet
immer weiter so ihr herren politiker füllt euch die taschen mit diätenerhöhungen ihr könnt sie ja bei den hartz4lern holen in dem ihr kürzt

 
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