Rauchverbot: Hamburgs Wirte wollen Entschädigung

Peter Engels, Betreiber des Goldbeker in Winterhude und Gründer des Vereins "Hamburger Rauchrebellen", schätzt die Zahl der klagebereiten Gastronomen auf über 350 - mit einer hohen Dunkelziffer. Denn nicht alle Wirte sind in Vereinen oder Verbänden organisiert. Einer von ihnen ist Hans Jörg Werner. Der Geschäftsführer der Gaststätte Legendär am Eppendorfer Weg würde Entschädigung fordern. "Wenn es ein striktes Rauchverbot geben wird, fordere ich Aufwandsentschädigung."

Nachdem das Nichtraucherschutzgesetz am 1. Januar 2008 in Kraft getreten ist, hat Werner investiert, um die Auflagen zu erfüllen. Nach eigenen Angaben hat er für ein Abzugsgerät über dem Dach 30 000 Euro bezahlt, um eine Raucher-Lounge einzurichten. "Ich war von vornherein gegen Ausnahmeregelungen", sagt Hans Jörg Werner. Im Fall einer neuen Gesetzgebung, die keine Ausnahmeregelung zulässt, plant der Geschäftsführer der Gaststätte zu klagen.

Sücaattin Ömer, Besitzer der Gaststätten-Kette Big Easy und Oktober: "Wir haben Umbauarbeiten im Zuge des Nichtraucherschutzgesetzes durchführen lassen. In einem Lokal betrugen die Kosten einer Raumteilung 20 000 Euro. Falls jetzt ein absolutes Rauchverbot erlassen wird, waren diese Investitionen absolut unnötig. Gegebenenfalls prüfen wir rechtliche Schritte, um eine Klärung der Sachlage zu bekommen. Eine eindeutige gesetzliche Regelung oder noch besser eine freiwillige Entscheidung der Wirte und Gäste hätte allen eine Menge Ärger ersparen können", sagt der Geschäftsführer.

Auch Ronald Zwerg, Geschäftsführer der Kneipe Köbes an der Schinkelstraße in Winterhude, würde sich im Falle des absoluten Nichtrauchergesetzes rechtliche Schritte überlegen. "Um Rauchern weiterhin einen Aufenthaltsraum zu bieten, musste ich eine Trennwand und eine Tür für rund 1000 Euro einbauen lassen." Zwerg ist jedoch relativ zuversichtlich, dass die Ausnahmeregelung für Trinkkneipen bleibt: "Die Raucherlobby ist einfach zu stark."

Die Wirtin der "Flohmarktkneipe" in Ohlsdorf, Angela Lehmann, ist nach dem Nichtrauchergesetz dem Verein "Club für Happy Life & Smoking e. V." beigetreten, um den Wünschen ihrer Gäste gerecht zu werden. Monatlich zahlt sie 75 Euro für die Vereinsmitgliedschaft. Dafür übernimmt der eingetragene Verein die Haftpflichtversicherung ihrer Gäste. Wenn das Rauchen in Gaststätten gesetzlich ausnahmslos verboten wird, muss Angela Lehmann um ihre Existenz bangen. Sie erwägt, dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) beizutreten, um mit anderen Wirten gerichtlich vorgehen zu können.

Peter Engels, der Mitglied beim Dehoga in Hamburg ist, steht in ständigem Kontakt mit dem Verband. "Im Falle einer Klage hat er uns seine Unterstützung angeboten." Dehoga-Geschäftsführer Gregor Maihöfer sieht eine Klage allerdings als allerletzte Möglichkeit: "Im Moment setze ich auf Gespräche mit den politischen Parteien und vertraue auf eine praxistaugliche Lösung."

hpbz, hpsm, val

erschienen am 6. August 2008


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