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09.04.2008    9:57 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Fernsehsender im Internet

Alles auf Abruf

TV-Sender stellen immer mehr Programme ins Netz. Doch kommt die Fernseh-Offensive tatsächlich gegen Videoseiten wie Youtube an?
Von Simon Feldmer

Germanys next Topmodel
Vieles läuft mittlerweile im Internet, und zwar genau dann, wenn der Zuschauer will. Auf der Homepage von Pro Sieben wurde die aktuelle Staffel von Germany's next Topmodel mehr als eine Million mal angeklickt.

Screenshot: Prosieben.de
 

Wer nach einer Folge Germany's next Topmodel noch nicht genug hat von Heidi Klums Sprüchen aus der Model-Welt, der kann sich den Pro-Sieben-Quotenbringer seit diesem Jahr danach ein zweites Mal anschauen: auf Prosieben.de zum Anklicken. Mit DSL-Anschluss laufen die Bilder der Kandidatinnen vom Posieren in Unterwäsche oder Badeanzug in Fernsehqualität über den Computer-Bildschirm. Topmodel-Süchtige können ihren Fernseher eigentlich abschaffen - genauso wie der Deutschland sucht den Superstar-Fan oder der heute-journal-Zuschauer. Vieles läuft mittlerweile im Internet, und zwar genau dann, wenn der Zuschauer will.

ZDF-Intendant Markus Schächter nennt diese neue Art des Fernsehens Abruffernsehen - kein schönes Wort, aber immerhin griffiger als die englischen Begriffe Video-on-Demand oder Catch-up-TV, unter denen das zeitversetzte Fernsehen auf Plattformen in Großbritannien und den USA Karriere macht. In Amerika setzen nicht nur Fernsehsender, sondern mittlerweile auch Produzenten oder Filmstudios auf Internet-Portale, in denen sie ihre Filme, Shows und Serien direkt servieren.


Das neue Fernsehen, davon ist der ZDF-Intendant überzeugt, werde früher oder später gleichberechtigt neben das herkömmliche treten. "Entsprechend ändert sich das Nutzerverhalten insbesondere jüngerer Medienkonsumenten. Darauf stellen wir uns ein", sagt Schächter. Vielleicht auch, weil die Notwendigkeit, den Kontakt zu jüngeren Zielgruppen nicht zu verlieren, beim ZDF besonders groß ist. Nach Musik mutiert verstärkt TV-Stoff zur Abrufware aus dem Netz: Erst kürzlich verkündete der amerikanische Konzern Apple, in seinem Online-Store iTunes die deutsche Comedy-Reihe Stromberg oder Serien wie Lost und Desperate Housewives gegen Bezahlung zum Herunterladen anzubieten.

Das Internet macht dem Fernsehen den Stellenwert als Leitmedium streitig. Ob das Online-Programm die Rettung bringt, ist noch nicht abzusehen. Die ZDF-Mediathek jedenfalls wächst und wächst. 2007 hat sich die Nutzung gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Allein im Februar kamen 8,2 Millionen Abrufe zusammen. Die Hälfte des ZDF-Programms ist dort sieben Tage nach der Ausstrahlung kostenlos einzusehen - ob Nachrichten, Schnipsel aus ZDF-Magazinen, eigenproduzierte Serien, Dokumentationen oder die Kabarettsendung Neues aus der Anstalt. Bei Lizenzware, also gekauften Filmen und Serien, verhindern rechtliche Fragen die Internet-Ausstrahlung - noch. Die Mediathek ist durchaus eine Erfolgsgeschichte.

Das findet auch die private Konkurrenz, die normalerweise Sturm läuft gegen die gebührenfinanzierte OnlineOffensive der Öffentlich-Rechtlichen. Vom ZDF-Abruffernsehen aber sprechen auch Manager privater TV-Konzerne, zumindest hinter vorgehaltener Hand, mit Respekt - und kopieren das Modell: Seit diesem Jahr betreiben die Privatsendergruppen Pro Sieben Sat 1 und RTL die kostenlose Online-Versendung ihrer Quotenbringer im großen Stil. Ob das Wissensmagazin Galileo, das Pro-Sieben-Boulevardformat taff, der Quatsch Comedy Club, die Formel 1 als Live-Stream, Soaps, Reality-Formate - alles steht seit Anfang des Jahres auf den Sender-Websites zum Abruf bereit. Auch die ARD bastelt an einer Mediathek. Obwohl mehrmals angekündigt, ist das Großprojekt aber noch nicht fertig.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, welche Gründe es für den Umstieg gibt.


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