Home > Management/IT-Solutions > Forschung&Entwicklung > Nanotechnologie

Nanopartikel

Forscher erzeugen Nanopartikel aus der Mikrowelle

 

07.12.2007 | Redakteur: Gabriele Ilg

 

Karlsruher Wissenschaftler nutzen ionische Flüssigkeiten und Mikrowellen zur Herstellung von Nanopartikeln. Wie genau das geht und was es bringt, lesen Sie hier.


Die Kleinsten im Netz - Papierfasern mit Leuchtstoff-Nanopartikeln (Bild: KIT)
Die Kleinsten im Netz - Papierfasern mit Leuchtstoff-Nanopartikeln (Bild: KIT)
Karlsruhe - „Man nehme Zinn- und Indiumchlorid, gebe es in einen Topf mit Ionischer Flüssigkeit und erhitze das Ganze in der Mikrowelle.“
Was wie die jüngste Kreation der Chemieküche klingt, beschreibt ein neues Verfahren, um elektrisch leitende Nanopartikel aus Indium-Zinn-Oxid (ITO: Indium Tin Oxide) schnell und einfach zu synthetisieren.
Ohne aufwändige Zwischenschritte produziert Professor Claus Feldmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) damit gleichförmige und regelmäßige, zehn bis fünfzehn Nanometer (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter) große Kristalle, die nicht verklumpen und sich leicht in wässrigen Medien dispergieren lassen.
Diese Nanokristalle können mit konventionellen Techniken als unsichtbare Elektroden auf transparente, flexible oder hitzeempfindliche Materialien aufgedruckt werden.
Mit der inzwischen patentierten „Ein-Topf-Mikrowellen-Synthese“ in Ionischen Flüssigkeiten stellt Feldmann aber auch andere nanoskalige Partikel wie etwa lumineszierende Materialien her, die im sichtbaren Licht transparent sind, unter UV-Licht aber farbig leuchten.

Einsatzmöglichkeiten von Nanopartikeln

Nanopartikel, die sich als transparente, nur wenige Nanometer dicke stromleitende oder leuchtende Schichten auftragen lassen, werden in Leuchtdioden und Solarzellen, zur Sicherheitsmarkierung oder für dekorative Zwecke eingesetzt.
Um besonders gleichmäßige Kristalle ohne Defekte in ihrer Gitterstruktur zu gewinnen, sind üblicherweise hohe Temperaturen (bis 600 °C) erforderlich. Zusätzlich beigemischte Substanzen, die die neu gebildeten Partikel wie eine Nussschale umschließen, können verhindern, dass diese sich zu größeren Aggregaten zusammenballen.
„Allerdings ist die Synthese aufwändig und einige Zusatzstoffe sind toxisch. Nanopartikel für therapeutische oder diagnostische Anwendungen in der Medizin kann man damit nur schwer synthetisieren“, erläutert Feldmann.

Ionische Flüssigkeiten als Lösungsmittel

Um diese Nachteile zu umgehen, nutzt der Chemiker am DFG-Centrum für Funktionelle Nanostrukturen des KIT sogenannte Ionische Flüssigkeiten als Lösungsmittel. Sie bestehen ausschließlich aus großen Kationen und Anionen, sind also ein wasserfreies, nicht-kristallines Salz. Sie sind bei Temperaturen zwischen -50 und +400 °C flüssig und dabei chemisch stabil. Da sie kaum mit den gelösten Partikeln in Wechselwirkung treten, lassen sie sich bei der Aufreinigung der Produkte leicht entfernen.
Diese Eigenschaft hat allerdings einen Nachteil: Neu gebildete Partikel werden nicht von einem Mantel aus Lösungsmittel-Molekülen umhüllt, der den Kontakt untereinander verhindert. Erhitzt man das Gemisch auf konventionelle Art, bilden sich daher wegen des Temperaturgefälles innerhalb der Lösung größere Komplexe, die sich anschließend nicht mehr trennen lassen.
Hier kommt die „schnelle Welle“ ins Spiel: Im Mikrowellenofen wird die Probe in Sekunden gleichmäßig im ganzen Gefäß erhitzt und so die Aggregation der Partikel verhindert.
„Die ersten Versuche haben wir tatsächlich mit einem einfachen Hauhaltsgerät durchgeführt“, erinnert sich Feldmann. Inzwischen benutzt er aber eine spezielle Labor-Mikrowelle, in der er die Reaktionslösung rühren und ihre Temperatur messen kann.
Bis zur industriellen Nutzung seines Syntheseverfahrens ist es allerdings noch ein langer Weg. Denn noch sind Ionische Flüssigkeiten, die bisher kaum technisch angewendet werden, relativ teuer. Die Preise würden aber mit steigender Nachfrage sinken, ist sich Feldmann sicher. Außerdem könnten die flüssigen Salze nach der Synthese wieder verwendet werden.
Chemieunternehmen wie Evonik Degussa setzen bereits auf die neue Methode und kooperieren eng mit dem Karlsruher Chemiker, dessen Arbeiten zudem von den Ländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, der Europäischen Union und der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt werden.
Themenverwandte Beiträge
Nanotechnologie Sprung in neue Märkte
Das Schweizer Unternehmen Bühler, abonniert auf Mechanische Verfahrenstechnik für die Chemie- und Lebensmittelbranche, hat die Nanotechnologie entdeckt. Im neugegründeten Geschäftsbereich Partec bündelt Bühler Dienstleistungen rund um die Oberflächenmodifizierung von Nanopartikeln. Im Science Park an der Saarbrücker Universität hat die neue GmbH ein Zuhause gefunden und entwickelt dort mit einem 15 Mann starken Team maßgeschneiderte Formulierungen und Verarbeitungsprozesse für Nanopartikel. weiter
Nanotechnologie: Den entscheidenden Schritt voraus sein
Nanotechnologie: Den entscheidenden Schritt voraus sein
Science-to-Business heißt das neue Konzept der Degussa, das den Endkunden künftig direkt in die Produktentwicklung zieht. Das neue Nanotronic-Center im Industriepark Marl soll auf Basis von Nanomaterialien Systemlösungen für die Elektronikindustrie entwickeln. Nur so könne man mit dem rasanten Entwicklungstempo der Elektronikbranche Schritt halten, glauben die Verantwortlichen bei der Degussa. weiter
Kunststofftechnik SPECIAL: Unmögliche Wünsche werden wahr
Kunststofftechnik SPECIAL: Unmögliche Wünsche werden wahr
Was sich Entwickler von Materialien wünschen, ist oft die sprichwörtliche eierlegende Wollmilchsau: Autolacke sollen beispielsweise transparent sein, glänzen und selbst bei tiefsten Temperaturen noch einem Steinschlag widerstehen, oder Kunststoffe sollen auch extrem hohe Temperaturen bei der Verarbeitung und beim späteren Einsatz aushalten. weiter
Kommentare zu diesem Artikel
Neuen Kommentar verfassen
Neuen Kommentar verfassen
Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu schreiben. Zum Login




Artikel Bewertung

Partnerbereich

Neuigkeiten von Carpus + Partner, Berater, Experte und Generalplaner für komplexe Bauprojekte mit Schwerpunkt in der Werks- und Produktionsentwicklung für die Life Sciences und High-Tech-Industrie sowie Pharma- und Biotech-Unternehmen, finden Sie hier

Whitepaper und Webcasts zum Thema
Whitepaper
Mitarbeiterschutz bei der Arbeit mit Nanomaterialien
Die inhalative Aufnahme von Nanomaterialien am Arbeitsplatz kann die Gesundheit der Labormitarbeiter gefährden.
Whitepaper
Leitfaden: Projektantrag für BioIndustrie 2021 erstellen
Dieser Leitfaden hilft bei der Erstellung eines Antrages zur Projektförderung im Rahmen des Programms BioIndustrie 2021.
Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie bei

Malvern Instruments GmbH

Herrenberg, Deutschland

Malvern Instruments ist ein führender Hersteller analytischer Gesamtlösungen zur Charakterisierung von Materialien bezüglich der Partikeleigenschaften ...

Postnova analytics GmbH

Landsberg, Deutschland

TOSOH Bioscience GmbH

Stuttgart, Deutschland

Lesezeichen setzen bei