Anonymous: Ja, hallo?
Hallo, hier A. B., von der Weltwoche, ich rufe an wegen des Interviews mit Herrn Stegmaier.
Ist Momentan nicht erreichbar, aber wenn sie wollen, können sie mit Ugugu sprechen?
…wir haben doch eben vereinbart…
*knicksknacks in der Leitung*
…Aloha, hier Ugugu! Sie wollen mit mir plaudern oder gar ein Portrait machen?
Ich möchte im Moment gerade kein Porträt machen. Sondern von den Organisatoren der Aktion wissen, warum sie die Predigerkirche besetzen.
Ähm, ich gehöre nicht zu den Organisatoren, aber wenn ich schon jemand von der Weltwoche am Draht habe: Warum weigern Sie sich eigentlich konsequent die Probleme von Sans-Papiers zur Kenntnis zu nehmen?
Wir haben gar nie über Ihre Aktion in der Predigerkirche geschrieben. Ich bitte bloss um eine Klärung. In Ihrem Communiqué fordern Sie ein «Bleiberecht für alle». Das heisst, jeder, der in die Schweiz kommen will, darf hier bleiben?
Huh? Ich verschicke keine Communiqués. Sehr «unbloggish» sowas. Aber wenn sie mich fragen: Ein Bleiberecht für Härtefälle finde ich ok. In der Predigerkirche geht es offensichtlich um Härtefälle. Menschen, die seit Jahren hier leben, hier integriert sind. Viel Arbeiten, aber über keine Papiere verfügen. Alles klar?
Dann gibt es auch solche, die nach Ihrer Meinung ausgeschafft werden sollten?
Mit Zwangsmassnahmen? Nä! Kostet den Steuerzahler eindeutig zu viel. Bringen tut’s überhaupt nix. Erkundigen Sie sich mal beim Kanton Genf: Rückkehrquoten wie in anderen Kantonen, aber ohne Zwang. Dazu muss man Flüchtlinge doch nicht einbuchten, fesseln, knebeln oder was sonst noch grad modern ist. Sowas kann bös ins Auge gehen, übrigens.
In einem Dutzend Fälle, die Sie auf Ihrer Website aufführen, habe ich keinen Einzigen gefunden, der achtzehn Monate lang in Ausschaffungshaft sass. Und auch keinen, bei dem präzis erklärt würde, warum hier ein Menschenleben in Gefahr ist. Allen Betroffenen wurde nach einer genauen Abklärung das Asyl verweigert, sie wurden ausgewiesen – doch sie weigern sich, Papiere zu beschaffen und aus der Schweiz auszureisen. So einfach ist das.
Sie gehören aber zu ganz hartnäckigen Sorte: Ich BLOGGE und habe keine Homepäge. Appropos, gucken Sie mal im Internet nach: Es gibt sie, diese Fälle, auch im Kanton Zürich. Ausserdem: Viele Menschen können nicht heimreisen, weil ihre Heimatländer sie nicht zurücknehmen. Für solche Fälle sind im Gesetz Härtefallregelungen vorgesehen, so wie man das bei der Abstimmung zur Asylvorlage versprochen hat. Im Kanton Zürich wird diese Regelung nicht angewendet. Anders als etwa im Kanton Waadt. Das ist doch nicht normal, oder?
Die Waadt hat jahrelang überhaupt niemanden ausgeschafft und sich damit über geltendes Recht hinweggesetzt. Auch Sie setzen sich mit Ihrer illegalen Besetzungsaktion über den Rechtsstaat hinweg. Wenn Sie sich schon auf das Recht berufen, dann haben Sie eine ganze Palette von legalen Mitteln, um Ihre Anliegen einzubringen – mit einer Initiative zum Beispiel.
Pipapo, Korinthenkackerei. Schon mal was von zivilem Ungehorsam gehört? Überhaupt: Vorbildlich was da im Kanton Waadt an Engagement geleistet wird. Von der Politik, von normalen Bürger und tataa… auch von Journalisten, die unablässig Missstände in der Schweizer Flüchtlingspolitik aufdecken. Falls Sie sich auf den aktuellen Stand der Dinge bringen wollen, hier ein ganz heisser Blogtipp.
Sie weichen aus. Sie setzen sich ja nicht für den konkreten Härtefall X oder Y ein, Ihnen geht es ums Prinzip, Sie fordern globale Lösungen für alle. Und Sie tun das nicht mit legalen politischen Mitteln, weil Sie wissen, dass Sie mit Ihren Anliegen beim Volk keine Mehrheit finden.
Hören Sie mir überhaupt zu? Ich will doch nicht die Welt retten. Ich gehe höchstens manifestieren damit ALLE Härtefälle (also Menschen, auch er hier zum Beispiel) hier bleiben dürfen und nicht schikaniert werden. Daran ist nichts undemokratisch oder illegal; erst wird etwas zum Thema, dann geht man Unterschriften sammeln, und dann stimmen wir darüber ab. Mal gewinnt Bauer, mal Ugugu. So läuft das halt in der Demokratie.


